
Schwaben-Seminar
28. März 2006, Kloster Roggenburg (Lkr. Neu-Ulm)
Unter dem Motto
Leben, arbeiten und führen nach den Regeln des Heiligen Benedikt
hatten die Arbeitskreise Neu-Ulm, Memmingen-Mindelheim, Günzburg und Sonthofen zum Austausch geladen.
Zu den geladenen Gästen zählten die Bayerische Justizministerin Beate Merk, hochrangige Vertreter der Handwerkskammer für Schwaben, die Vorsitzende des Landesverbandes der bayerischen Unternehmer- und Meisterfrauen Elisabeth Rumpfinger und viele Mitglieder aus den Arbeitskreisen.
Gemäß dem Thema wendeten sich die prominenten Gäste an ihre Gastgeberinnen und bekräftigten in ihren Reden die Unverzichtbarkeit der Frauen im Handwerk.
Der Abtprimas der Benediktiner, Dr. Notker Wolf, war eigens zur Veranstaltung aus Rom angereist und referierte eindrücklich darüber, dass die Worte des Heiligen Benedikts auch in der heutigen Zeit Gewichtung haben.
Die Wertschätzung des Individuums stellte er dabei an den Beginn seiner Rede.
"Jeder ist von Gott geschaffen" berührte die Anwesenden dabei ebenso, wie "Keiner hat ein Verfügungsrecht über andere".
Notker Wolf stellte fest, dass man Wertschätzung jedoch nicht methodisch lernen könne. Vielmehr müsse sich eine Gruppe im WIR finden und somit an Verantwortung partizipieren. Nur mit diesem Hintergrund sei es möglich, die Zukunft als eine menschliche Angelegenheit zu verstehen. Wertschätzung die nur auf Profit und Gewinn angelegt sei könne nicht dienlich sein.
Eine gute Führung müsse daher immer den Rat der Gruppe suchen, denn allein schaffe niemand Zukunft.
Dabei sei es sehr wichtig Führung nicht für die persönliche Wertstellung zu missbrauchen.
Die Entwicklung einer Gruppe solle Führung hervorbringen. Hierachie sei nicht vorrangig, sondern die Fähigkeit das Potenzial einer Gruppe zu bündeln. Ein Führer solle sich immer als gleichberechtigtes Mitglied seiner Gruppe verstehen.
Mit diesen Vorgaben, so Dr. Notker Wolf, müsse uns weder vor der Zukunft bang sein, noch könnten wir uns neuen Chancen verschließen.
Für die anwesenden Unternehmerfrauen waren die Worte von Bruder Notker Wolf leicht in ihre persönliche Lebenssituationen zu übersetzen. Sind doch gerade sie selbst vielen "Führern" unterstellt, die kaum auf den kompetenten Rat "ihrer Gruppe" Bezug nehmen. Denn zu Vorgaben, Regeln und Gesetzen werden Unternehmerfrauen immer noch viel zu wenig gehört!
Nach dem offiziellen Teil des Abends erwartete die TeilnehmerInnen ein beeindruckendes Abendessen, bei dem ein reger Austauch statt fand.
Auf mehrfachen Wunsch veröffentlichen wir nachfolgend die Rede von Elisabeth Rumpfinger, die mit ihren persönlichen Worten das Thema der Veranstaltung ebenfalls nachhaltig darstellte.
Grußworte zum 2. Schwabenseminar
Elisabeth Rumpfinger
Vorsitzende des Landesverbandes
der Unternehmer-/Meisterfrauen im Handwerk Bayern e.V.
Roggenburg, 28. März 2006
Es gilt das gesprochene Wort
Tu, was du kannst
mit dem, was du hast,
genau da, wo du bist.
Das ist ein Leitbild von Theodor Roosevelt, das auch wir Unternehmer- und Meisterfrauen im Handwerk leben, und mit dem ich Sie, sehr verehrte Damen (und Herren) hier in diesem wunderschönen Kloster Roggenburg recht herzlich willkommen heißen möchte.
Gerne überbringe ich Ihnen allen die Grüße des Landesverbandes der Unternehmer- und Meisterfrauen im Handwerk Bayern.
Tu, was Du kannst -
ich denke, wir können viel - und oft können wir viel mehr, als wir selber glauben. Uns hat der Schöpfer Eigenschaften zugewiesen, die wir in unserem Alltag in den Betrieben ganz dringend brauchen:
Mut und Ausdauer, um den alltäglichen Problemen zu begegnen und die hohen Anforderungen, die an uns gestellt werden, zu bestehen
Kraft und Stärke, um nicht unterzugehen im Kampf ums Überleben
Mitmenschlichkeit, Güte und Liebe für den Umgang mit allen Wesen, die uns anvertraut sind und die uns auf unserem Lebensweg begegnen und ein Stück weit begleiten.
Wir tun, was wir können, mit dem was wir haben:
Wir führen unsere Betriebe schon lange mit diesen unseren Fähigkeiten, und unser Führungsstil prägt nicht nur unsere Unternehmen, sondern auch unsere Mitarbeiter, unsere Lieferanten, unsere Kunden, auch unsere Partner, Kinder und unser soziales Umfeld.
Man erkennt Betriebe, in denen Frauen ihren ganz persönlichen Stil eingebaut haben.
Meist steht eine ganze Philosophie dahinter, die für alle erkennbar ist, die mit ihr in Berührung kommen.
Es liegt sehr oft an den Unternehmerinnen, ob sich Kunden wohl
fühlen, und ob die Mitarbeiter mit Freude und Motivation ihre Leistung mit einbringen.
Wenn sich die Liebe zu den Menschen zeigt, indem wir sie aufmerksam Wahrnehmen, indem wir aktiv Zuhören und den Anderen in seiner ganzen Persönlichkeit akzeptieren, dann fühlen sich Kunden halt ganz einfach wohl.
Und Mitarbeiter, die in ihrer Leistung anerkannt und in ihrer Person wahrgenommen werden, sind dann mehr als so genannte "Human-Resourcen".
Auch in kritischen Situationen tun Frauen das, was sie können:
Zuhören, wahrnehmen, ausgleichen, Lösungen finden.
Und sie tun es, gleich wo sie gerade stehen.
Wenn man den Alltag einer Unternehmer- oder Meisterfrau so betrachtet, mit all den vielen Facetten, die sich hier ergeben, so kann man nur eines tun: diesen Frauen Respekt zollen für die Führung eines Betriebes, der mehr ist als nur Kfz-Werkstätte, Schreinerei oder Bäckerei.
Diesen Betrieben angeschlossen ist meist noch das Unternehmen Familie:
Hier haben die Frauen den Beruf als Mutter, Erzieherin, Nachhilfelehrerin, Freizeit-Animateurin, Köchin, Bäckerin, Einkäuferin, Buchhalterin, Reinigungskraft, Stilistin, Einrichterin, Wäscherin, Koordinatorin, Reisekauffrau und Finanzministerin und sicher noch einige mehr. Nicht zu vergessen die Rolle als Ehefrau, Sorgenfaltenglätterin, Nackenmasseuse, Seelentrösterin, Liebhaberin und die der Partnerin, die sich um Eltern, Freunde und den Sportverein kümmert, dessen Vorsitzender der Ehemann ist.
Hier wird dann klar, dass Frau nicht nur auf einem Platz steht.
So vielfältig wie ihre Aufgaben sind auch die Plätze, sie bewegt sich auf dem Parkett der Politik genau so wie auf dem Teppich des Kinderzimmers oder dem Betonboden der Baustelle.
Tu, was du kannst
mit dem, was du hast
genau da, wo du bist
Oh ja, wir halten uns daran, auch wenn`s manchmal schwer fällt, nämlich dann, wenn man feststellt, dass man zwar tut was man kann (und oft noch mehr als das) mit dem was man hat (und man hat viel !!)
genau da, wo man ist (wo bin ich denn gerade ?), aber - keiner nimmt es wahr !
Dabei brauchen auch wir - gerade weil wir uns so vielfältig und manchmal bis an die Grenzen der Erschöpfung verausgaben -
ab und zu Aufmerksamkeit, Zuwendung, Anerkennung und Lob.
Wer sagt uns, dass wir unsere Kinder richtig erzogen haben, wenn wir ihnen davon erzählen, dass in jedem Menschen ein Stück von Gott ist und dass man Rücksicht aufeinander nehmen muss und Respekt voreinander haben sollte ?
Vorgelebt wird uns doch was ganz anderes: Firmenmanager, die rücksichtlos trotz großer Gewinne ihre Mitarbeiter kündigen und selber unglaubliche Millionengehälter beziehen !
Diese Manager, die bei Einstellungsgesprächen Bewerber gegeneinander antreten lassen, um zu überprüfen, wer die besseren Ellenbogen hat und wer den anderen besser niedermachen kann - das sind die selben, die dann für viel Geld zu Pater Anselm Bilgri in Klausur gehen, um Menschenführung neu zu definieren.
Wer sagt uns, dass wir Frauen es schon richtig machen in unseren Betrieben, wenn wir uns neben der alles auffressenden Geschäftsarbeit mit aller Kraft dafür einsetzen, dass unseren Mitarbeitern der Arbeitsplatz erhalten bleibt, indem wir Kooperationen gründen oder neue Geschäftszweige erkunden ?
Vorgelebt wird uns doch etwas ganz anderes: Die Politik tut nichts dazu, dass es den KMU besser geht, sie paktiert mit den Großen, deren Aufsichtsräte und Manager wiederum nur an die eigene Tasche denken.
Wer sagt uns Frauen, dass wir es schon richtig machen, wenn wir uns in das soziale Netz einbringen, unsere Eltern oder Schwiegereltern pflegen, vielleicht auch noch in der Nachbarschaftshilfe oder im Hospizverein ehrenamtlich tätig sind und uns in Schule oder Kindergarten als Elternbeirat einbringen ?
Machen wir hier Fehler, weil wir ohne Bezahlung ein von der Politik sehr wohl forciertes Ehrenamt ausüben, während die Ministerien hergehen und munter soziale Einrichtungen und Projekte, aber auch Gelder z.B. für Blinde kürzen oder ganz streichen ?
Ich bin der Meinung, dass unsere Arbeit immens wertvoll für die Volkswirtschaft ist und ich wünsche mir, dass das von Politik und Wirtschaft auch entsprechend gewürdigt wird.
Ich wünsche mir auch, dass unsere Partner in Beruf und Familie unsere Arbeit wertschätzen - wir sind auf Motivation angewiesen.
Ich wünsche mir, dass wir uns diese Wertschätzung gegenseitig versichern - auch unsere Männer brauchen das Lob ihrer Frauen, oft wie die Luft zum Atmen !
Ich wünsche mir aber auch, dass wir Unternehmer- und Meisterfrauen uns selbst unseres Wertes bewusst sind und das auch ausstrahlen, denn
Wir tun was wir können
mit dem was wir haben
genau da, wo wir sind !
Und das ist ungemein viel, meine sehr verehrten Damen und Herren !
Ich danke Ihnen fürs Zuhören.

